Kennt ihr das: Ihr lauft rum wie jeden Tag, aber es ist nicht wie jeden Tag, denn auf einmal nehmt ihr alles um euch herum anders wahr. Schärfer wahr. Etwa so wie Montag in Fahrenheit 451, nachdem er Clarisse kennengelernt hat. Wie bei so einem Aha-Moment, wenn alles plötzlich Sinn macht, anders erscheint. So geht es mir regelmäßig mit Menschen. Ich habe zuletzt 3 Monate lang bei einem Radiosender am Telefon gearbeitet. Am anfang ist man etwas überrumpelt, will alles richtig machen. Dann kriegt man ein Gefühl für die Menschen. Quatscht mit ihnen. Macht Witze, wiederholt Witze. Entwickelt Phrasen, Floskeln. Es ist schön, es ist persönlich. Irgentwann habe ich gemerkt, wie sehr ich manchmal in die Routine verfiel, da war ich wie ich Roboter, habe im 10 Sekunden Takt Anrufer angenommen, weil der Moderator mit schon ungeduldig gewunken hat, dass er gleich einen Hörer braucht.Ich habe gelernt Leute anzulügen, Abläufe zu faken, Leute anzunehmen, ohne sie tatsänlich aufzuschreiben. Das lief alles so flüssig. Ich mochte es total mit den Menschen zu arbeiten, zu reden, das war eine meiner tollsten Erfahrungen da. Aber irgendwann war es eben genau das - Arbeit. Da war nichts mehr, es war strategische Arbeit, nach Schema und Plan. Das hat mich am Ende öfter beschäftigt als ich nach Hause gefahren bin. Ich musste sowieso immer daran denken, wie wir Roitinen nachgehen, zur Arbeit fahren und zurück. Jeden Tag. Wir haben mehrere Stationen. Treffen die gleichen Menschen. Kaufen uns immer am selben Stand eine Zeitung. Sagen "guten Morgen", wünschen einen "schönen Tag", das mit guter Laune, das aus vollem Herzen. Aber trotzdem - nach 3 Monaten hatte ich immer mehr das Gefühl, ich werde den Menschen fremd, mri selbst fremd. Wir suchen unsere Zeitung, gehen an die Kasse, sagen etwas, manchmal ohne es zu realisieren. Dann geht es weiter. Wenn andere Menschen etwas wollen dann lehnen wir ab. Feuer? "Hab ich nicht". Es ist alles so gleich. Auch wenn neue Menschen kommen, es bleibt gleich. Wir gehen die Wege, von denen wir wissen das sie effizient sind, in welcher WEise auch immer. Wir weichen geschickt den Touristenströmen aus. Ich ging dann immer so, dass ich den stinkenden Obdachlosen mit einem gewissen Abstand aus dem Weg ging. Dann ging es Manchmal Geld holen. In der Sparkasse waren die Schalter voll. Leute steckten viele Bunte scheine in ihr Portemonaie. Draußen vor der Sparkassentür sitzt ein Obdachloser. "Hab nichts sagen manche der Leute, die gerade noch am Automaten war". Das ist einer dieser Eindrücke, den ich nicht mehr los werde. Wir haben kein Bargeld, suchen per Smartphone nach Automaten. Planen wie wir den Besuch am Automaten dann in unseren Tagesablauf integrieren, wo wir den geringsten Umweg machen. Dann ist alles wieder so mechanisch. Wir bedienen den Automaten wie im Schlaf. Wir ignorieren den Bettler davor wie im Schlaf. Manchmal suche in nach Kleingeld, werfe ihm 50 Cent in den Becher. Fühle mich besser. Nein. Weniger schlecht. Habe ich gespendet weil ich dem jenigen gerne Geld geben wollte fragte ich mich noch im weitergehen. Oder woltle ich bloß mein Gewissen beruhigen? Indem Fall war es zweiteres. Wie scheiße denke ich mir. In der Mittagspause gehe ich zu einem Imbiss. Den Döner gibts vorne in einem Supermarkt, gegenüber vom Bäcker. überall lange Schlange. Menschen die alle ihre Pause haben, ihre Auszeit. Wie die abläuft? Bei allen recht ähnlich: Man muss was essen. Also überlegt man sich wo man am besten was kriegt, etwas awas einen nicht wieder langweilt. Viele gehen dann zum italiener. Andere holen Sich Salat im Edeka. Wieder andere Bestellen gleich in der Firma. Die die sich entscheiden selber was zu holen (oder die, die für andere etwas holen) verbringen ihr entspannende Pause damit zum Zielort zu hetzen. Vorbei an den Menschenmassen. Ich bahnte mir einen Weg. Andere Leute die Pause machen. Touris. Rote Ampeln. Volle Bürgersteige. Überall Menschen. Und wieder dieses Gefühl - betäubt. Kennt ihr das, ihr seid auf einer tollen Party und ihr fühlt euch unwohl? Wie alleine utner Fremden (wobei das auch schön sein kann) ? Einfach fremd, als gehört ihr da nicht hin, als reden alle auf einmal über total dumme Dinge, oder gar in anderen Sprachen. So eine Situation in der man einfach nur Weg will. Also war ich am Imbiss, bestellte eine Dönerbox. Ich hatte mir überlegt, dass diese (wohlgemerkt mit Salat anstelle von Pommes) meiner Ernährung am besten tun würde. Also gab ich das Geld rüber, für etwas von dem ich mir erwartete, dass ich mich nicht zu dick macht. Das wirklich erschreckende an der Geschcihte, ist die Ernsthaftigkeit, mit der ich an dem Tag über meine Ernährung nachdachte und die Komplexität mit der ich schließlich meine WAhl traf und auch noch während des Verzehs am Tisch nebenan darüber nachdachte. Dann - wir sind wohlgemerkt immer noch am genau gleichen Tag, dem Tag der vollen Schlangen, anstehender ungeduldiger Menschen, die doch eigendlich Zeit haben, ist ja ihre Pause - kam eine Frau vorbei, eine Bettlerin. Ich schüttelte erschreckend schnell und unterbewusst den Kopf. Sagte ihr ich hab nichts. Sie zeigte auf mein Essen und meinte "ich will doch auch nur etwas essen.", während ich immernoch darüber nachdachte wieviel Kalorien das wohl haben mochte. Das traf mich wie ein Schlag. Ich war feige, und so getroffen, dass ich weglief. Ich ging auf einen naheliegenden Platz, setzte mich und aß aufgewühlt den REst. Bis mir auffiel dass ich eigendlich ja satt bin. Ich leif zurück und gab ihr mein Essen ab. Das was davon übrig bleib. Ich hatte ein fürchterlich schlechtes Gewissen weil ich doch soviel verschlungen hatte und gar nciht mehr so viel übrig blieb. Dann ging ich zurück, suchte die Frau und gab ihr die Box. Wieder einmal nciht weil ich gutes tun wollte, vielmehr weil mein GEwissen mich nicht mehr in Ruhe ließ.
Ich dneke oft über diesen Tag nach. das erschreckende ist dies: Es war nicht der Tag. Es waren viele. Sie waren alle gleich, ähnlich, alle so. Nicht jeden Tag ein bettler der einen anspricht, nicht jeden Tag eine Frau die auch Hunger hat, und doch sind sie da. Am Bahnhof, vor dme Imbiss, am Straßenrand, vor der Bank. Um die Ecke, unter der Brücke. Jeden Tag. Und jeden Tag ist es, als wäre es so. Als ständen da Bäume. Als ständen da bescheuerte unbewegliche Bäume. Pflanzen. Dinge ohne Seele. Ich wünschte es wären Bäume geswesen. Aber Menschen sind keine Bäume und auch keine MAschinen. Denn genau so fühlte ich mich. Wie jemand, der imemr wieder die selben Programme abläuft. Auf einen entsprechenden Input mit einem geeignetem Output reagiert. MAnchmal variieren die Phrasen. Dann kommen die Floskeln. Hallo. Guten Tag. auf wieder sehen. Hab einen schönen Tag. Ich bin ein totaler Freund von soetwas, man sollte nett sein, aber irgendwann, konnte ich es selbst nicht mehr hören, es fühlte sich so mechanisch an. Was brignt es , tausendmal das gleiche zu sagen? Was bdeutet ein guter Tag, wenn er zum hundersten Mal gewünscht wird. Die Leute an der Kassenschlagne, die mechanisch anstehen, bezahlen und gehen. Die Menschen auf der anderen Seite der kasse, die so wie ich am Telefon die Leute abarbeiten. Der Chef guckt schon weil es nicht vorran geht. Sie arbeiten im Akkord und das erste was ich auf dem Weg zur Kasse hörte war ein "können die nciht mal ne weitere Kasse aufmachen?!". Mir wurde schlecht. Ich habe uaf dem Rückweg im Bücherladen noch ein buch gekauft. Wieder ein Hallo. Ein Preis. Dann das bezahlen. Ich fühlte mich gefangen. Wie Material. Umgeben von Material.Material und Abläufe. Auf der Heimfahrt waren die Züge wieder randvoll. Es wurde gedrängelt, geschubst, jeder woltle der erste Drinnen sein.Viele schließen, lasen zeitig, schalteten ab. Ich fühlte mich wie in einem Zug voller Roboter, oder Leichen.
Es war nicht der Tag an sich. Es war nciht das was an diesem Tag passiert. Es war das was immer passiert. Es waren nicht die Szenen die ich sah, weder die Menschen. Es ging nicht um die Obdachlosen und auch nicht um die hart arbeitenden Menschen die die anderen MEnschen bedienten als wären sie selsbt keine. Es ging einfach darum, das es passiert. Immer. Überall. Das ist es, was wir alltag nennen. Und mir tut es innerlich weh, so etwas als meinen Alltag anzuerkennen. Zu erkennen, dass man slebst ein Teil davon ist.
Ich weiß nicht wie ich damit umgehe. Es hat mci hsensibilisiert. Für Obdachlose, für Arbeitende, für Call-Center-Mitarbeiter, für Arbeiter an der Kasse, überall. Für Menschen auf der Straße, in Geschäften, Menschen auf arbeit. Menschen in Zügen. Die hinter all den Aktionen und Fassaden ncihts anderes sind als ich. Das wir alle manchmal nur Zahnräder sind, die eben funktionieren. Oder kaputte Zahnräder, abseits der Maschine weggeworfen. ICh weiß nicht was ich mit dieser Erfahrung mache. Wie ich in Zukunft damit umgehe, aber es war mir wirklich ein Bedürfnis, das niederzuschreiben. Wie lautet die Konsequenz? Sei toll. Sei lustig. Steche heraus. Zaubere mir ein Lächeln auf die Lippen, grinse mich an während du mir die Zeitung verkaufst, denn diese Momente gab es auch, diese Momente wo man dem Universum für diesen unglaublichen sekundenbruchteil dankt indem einen ein anderer MEnsch so unglaublich viel gegeben hat.
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